Simultanübersetzung virtuell oder in Präsenz  – Erfahrungsbericht eines Dolmetschers

Das klassische Format einer Konferenz mit Simultanübersetzung sieht so aus: Alle Teilnehmer bekommen ein kleines Gerät mit Kopfhörer, an dem sie die Sprache auswählen, in der sie die Konferenzbeiträge hören möchten, zum Beispiel Deutsch, Englisch oder Französisch. Hinten im Veranstaltungsraum sieht man eine oder mehrere Dolmetschkabinen, in denen sich die Simultandolmetscher bei der Arbeit abwechseln. Alle Redner sprechen in ein Mikrofon und sind so bei den Zuhörern im Raum und auch bei den Dolmetschern gut zu hören. In den Pausen trifft man sich am Kaffeetisch oder am Buffet, um die wichtigen Dinge zu besprechen. Diese Zeiten sind aber im Jahr 2020 und 2021 plötzlich vorbei, Online-Meetings sind zeitweise die einzige Lösung, um sich überhaupt zu besprechen. Wie läuft es da?

Ein paar Tipps zu Zoom, Teams, Webex & Co mit Simultanübersetzung

Vom Prinzip her funktioniert es so: Bei manchen Videoplattformen können die Teilnehmer in der Benutzeroberfläche zwischen verschiedenen Sprachkanälen wählen (multichannel). Auf jedem dieser Sprachkanäle sprechen die jeweiligen Dolmetscher für die Sprache – also ähnlich wie bei einer Präsenzveranstaltung.

Vor allem in der Anfangsphase war das mit der Simultanübersetzung nicht einfach. Auch heute (2021) ist die Tonqualität noch regelmäßig ein Problem. Ein Beispiel: Ich höre als Dolmetscher   "Wenn w... für ...ie Fünfz ... onen entscheiden, müssen wir alle dahinterstehen". Während dieser Lückentext an mein Ohr dringt, spreche ich noch den vorherigen Satz zu Ende. Dann zermartere ich mir das Hirn, was der Redner gesagt haben könnte. Und dann fällt der Groschen noch rechtzeitig: "Wenn wir uns für die fünfzig Millionen entscheiden, müssen wir alle dahinterstehen". Oder er fällt nicht. Dann bleibt nur eine Durchsage wie "Hier spricht Ihr Dolmetscher. Der letzte Teil war akustisch leider nicht zu verstehen." Das ist frustrierend und auch schade, denn wenn alle Teilnehmer professionelle Technik verwenden und ein bisschen Mühe investieren, kann es wunderbar laufen. Das sieht dann so aus:

Alle arbeiten mit gutem Gerät und mit stabilem Internet, am besten verkabelt. Während des Meetings sprechen alle diszipliniert nah an einem guten Mikrofon. Wer nicht spricht, schaltet sich stumm. Ein solches Vorgehen macht es für alle Beteiligten deutlich weniger anstrengend. Für uns Simultandolmetscher geht es aber überhaupt nur so, denn wir sprechen ja auch noch gleichzeitig, während wir hören.

Es gibt für uns Dolmetscher aber auch Vorteile bei virtuellen Meetings: Online sehe ich manchmal mehr als bei einer Präsenzveranstaltung. So lief es zum Beispiel bei einer Zeugenbefragung in einem internationalen Schiedsverfahren im Herbst 2020 mit Simultanübersetzung: Wir Dolmetscher arbeiten in einem professionellen Dolmetschstudio (Hub). Vor jeder Dolmetschkabine stehen zwei große Bildschirme. Auf dem einen sehe ich den Zeugen direkt vor mir, wie er antwortet, und kann ihm dadurch auch besser folgen. Auf dem anderen werden alle zitierten Dokumente zum Mitlesen gezeigt. Bei einer Präsenzveranstaltung hätte ich hektisch in Papierstapeln gewühlt.

Ein weiterer Vorteil ist offensichtlich: Es muss nicht gereist werden. Das schont die Umwelt und das Budget. Und es spart Zeit. So mancher internationale Teilnehmer wäre überhaupt nicht dabei, wenn die Reise länger dauern würde als das Meeting selbst. Und dass man keine Angst vor Zugverspätungen oder Staus haben muss, erhöht die Lebensqualität ungemein.

Hybrid-Veranstaltungen: Das Beste aus beiden Welten

Es liegt auf der Hand, die Vorteile beider Formate zu nutzen, also hybride Veranstaltungen durchzuführen, bei denen sowohl Präsenz als auch digitale Teilnahme möglich ist. Diese können so aussehen: Die Hauptpersonen – und je nach Möglichkeiten auch einige Teilnehmer – treffen sich auf einer realen Veranstaltung in angenehmem Ambiente und mit professioneller Konferenztechnik. Auch die Dolmetscher sind mit am Veranstaltungsort, wo sie alles gut hören und direkt sehen und wo die Wege kurz sind, wenn es noch etwas zum Thema Simultanübersetzung zu besprechen gibt oder wenn ein Problem gelöst werden muss. Zusätzlich kommen Videokameras und Streaming zum Einsatz, damit weitere Teilnehmer aus der ganzen Welt die Veranstaltung in exzellenter Ton- und Bildqualität verfolgen und auch direkt Fragen stellen können, ohne extra hinreisen zu müssen.

Und die persönlichen Geschäftskontakte am Rande von Konferenzen? Auch dafür wird es passende digitale Lösungen geben. Online-Dating und soziale Netzwerke sind schließlich auch schon erfunden.

Simultanübersetzung für eine Videokonferenz anfragen

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Ein paar praktische Hinweise haben meine Firma und ich hier für Sie zusammengestellt. Schauen Sie gerne auch in unser kurzes Video aus dem Dolmetsch-Studio rein.

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